THORSTEN REUTER, Jahrgang 1972, folgte nach einer kaufmännischen Ausbildung seiner Neugier auf Weltreisen und studierte anschließend Vergleichende Religionswissenschaft, Iranistik und Bildungswissenschaft in Heidelberg. Seine Auseinandersetzung mit kulturellen Systemen vertiefte er durch lange Arbeitsaufenthalte in Neuseeland, Ecuador und Indien. Die Praxis der ökonomischen und politischen Systeme lernte er von innen kennen, als er sich 2011 in Berlin selbstständig machte und über ein Jahrzehnt ein Unternehmen in der Bio-Lebensmittelbranche führte. Diese vielfältigen Perspektiven verdichten sich in «Der Käfig» zu einer literarischen Erzählung von radikaler Klarheit. Heute lebt er mit seiner Familie in Freiburg.

Ich schreibe nicht über das Spektakel des Bösen.
Ich schreibe über seine
Normalität.

Mich interessiert nicht der Skandal, sondern die Struktur.
Nicht der Ausbruch, sondern die Organisation.

Das Böse ist selten laut.
Es arbeitet leise, vernünftig, effizient.

Es erscheint als Verantwortung.
Als Ordnung.
Als Notwendigkeit.

Mich interessiert, wie das Gewöhnliche moralische Grenzen verschiebt
und wie Macht sich organisiert, ohne als solche zu erscheinen.

Literatur ist für mich ein Mittel, das Sichtbare infrage zu stellen
und die Mechanismen freizulegen, die unsichtbar wirken.